Monday 23 October 2017

Thomas Molloy: Ein irishes witz

Thomas Molloy

Thomas Molloy

Ein Witz, den sich irische Journalisten gerne erzählen, lautet folgendermaßen: Wenn der ehemalige US- Präsident Richard Nixon irisches Staatsoberhaupt gewesen wäre, dann säßen die Reporter Bob Woodward und Carl Bernstein im Gefängnis und Nixon wäre wiedergewählt worden.

In dieser Woche jährt sich der Tag des Zusammenbruchs der Anglo- Irish Bank zum fünften Mal.

Dieses Datum erinnert uns in Irland daran, dass der Staat bisher niemanden direkt verantwortlich  beziehungsweise angeklagt hat und dieser Zusammenbruch war eine der größten Tragödien in der jüngsten Geschichte unseres Landes.

Wir waren schon immer ein fatalistisches Volk, das lieber jammert statt etwas zu unternehmen, um Tragödien oder Katastrophen in Zukunft zu vermeiden.

Als die "Anglo Tapes" an die Öffentlichkeit gelangten, beschwerten sich die mächtigen Bürger wie der Zentralbank Gouverneur Patrick Honohan und der Premierminister Enda Kenny am aller lautesten. Mr. Kenny sprach ergreifend von" der Wut und dem Zorn" , den die Bürger empfänden und versprach eine Untersuchung der Bank. Gouverneur Honohan sagte der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", dass die Tonbänder etwas enthüllt hätten, das vorher nicht bekannt gewesen sei.

Beide Männer gaben den Eindruck, dass sie unsere Wut verstünden und nachempfänden. Zu dem Zeitpunkt war Enda Kenny wahrscheinlich wirklich wütend, denn die Tonbänder hatten Europa sehr verärgert und Angela Merkel sprach sogar von Verachtung denen gegenüber, die auf den Tonbändern zu hören waren.

Für jeden, der außerhalb von Irland lebt, muß die jüngste Nachricht der irischen Regierung, dass bei einem zukünftigen Prozess die Bänder und deren Inhalt nicht als Beweismittel benutzt werden, ein Schock sein.

Die "Financial Times" hat in mehreren Leitartikeln von den Machenschaften der irischen Bankiers und ihren von ihnen abhängigen Politikern gesprochen. Die Leitartikel lobten die irischen Bürger und ihre Geduld, während sie aber auch davor warnten, dass dieser Skandal nie wirklich untersucht worden sei.

Das "Wall Street Journal" übte scharfe Kritik an Irland, obwohl deren Journalisten doch in letzter Zeit Zeugen von finanziellen Skandalen aller Art und in aller Welt gewesen sein müssen.

"Forbes" sprach von einer irischen Bank, die die Nation und die EMU um den kleinen Finger gewickelt hätte.

Im Juni dieses Jahres sprach die "Financial Times" in einem Artikel über die Anglo-Tonbänder Affäre und nannte sie "eine dunkle, grausame Komödie auf Kosten der irischen Steuerzahler".

Drei Monate später kann es nicht besser formuliert werden.

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